3.4 Vergleich der Vokabularien

Ein Vergleich der beiden Vokabularien ist zwar nur bedingt sinnvoll, gibt aber dennoch Aufschluß darüber, inwiefern sich der Einfluss einzelner Sprachen auf das Rotwelsche geändert hat. Es ist davon auszugehen, dass nicht alle gaunersprachlichen Ausdrücke ihren Weg in ein Wörterbuch gefunden haben, so dass an dieser Stelle nur das „aufgeklärte Hellfeld“ betrachtet werden kann.

Eine direkte Gegenüberstellung der sprachlichen Zusammensetzung des gaunersprachlichen Vokabulars in beiden Wörterbücher verdeutlicht Tabelle 211 . Während die Herkunftsangaben für den Liber vagatorum von Jütte übernommen wurden, so basieren die Informationen für den Duden auf eigenen Berechnungen anhand der dortigen Angaben und - in Zweifelsfällen - jenen im Wörterbuch des Rotwelschen von Wolf.

Erwartungsgemäß ist die sprachliche Zusammensetzung im Liber vagatorum und dem Universalwörterbuch auf den ersten Blick ähnlich gewichtet. Das Deutsche bildet in beiden Fällen mit jeweils ungefähr der Hälfte des Bestandes die Grundlage des Wortschatzes. Eine detaillierte Betrachtung des Vokabulars der Gaunersprache liefert mögliche Erklärungen für die leicht verschobenen Anteile.


Herkunft  Liber vagatorum Duden
   absolut v.H. absolut v.H.
Hebräisch 65 22,1 25 32,5
Deutsch 153 51,9 35 45,5
Romani (zig.) 4 1,4 4 5,2
Niederländisch 19 6,8 2 2,6
Französisch 5 1,7 2 2,6
Latein 19 6,4 2 2,6
Spanisch 1 0,3 0
Etymologie un- 29 9,8 7 9
sicher oder un-
geklärt
Summe 295 100,4 77 100,0

Tabelle 2: Vergleich der sprachlichen Zusammensetzung des Rotwelschen im Liber vagatorum und dem deutschen Universalwörterbuch (Duden)