Das deutsche Universalwörterbuch listet in seiner aktuellen fünften Auflage aus dem Jahre 2003 77 als gaunersprachlich gekennzeichnete Eintragungen auf. Verglichen mit dem Liber vagatorum ist dies nur eine sehr kleine Zahl, ganz zu schweigen von der Anzahl des gaunersprachlichen Wortschatzes bei Wolf. Dennoch stellt das Universalwörterbuch eine Besonderheit dar. Im Gegensatz zu den anderen Publikationen, die sich mit rotwelschem Wortgut beschäftigen, hat das Standardwerk der deutschen Sprache nicht die Aufklärung und Verhinderung von Verbrechen zum Ziel, sondern einen Überblick über die tatsächlich verwendete Sprache zu geben.
Interessanterweise werden nicht alle Worte gaunersprachlichen Ursprungs als solche auch gekennzeichnet.
Einige der im Duden verzeichneten Worte gaunersprachlichen Ursprungs sind nicht in Wolfs Wörterbuch des Rotwelschen enthalten. Daraus läßt sich schließen, dass diese entweder erst nach 1956 in den allgemeinen Wortschatz geraten sind, oder dass sie nur in einem sehr kleinen Gebiet verwendet wurden oder werden. Unwahrscheinlich, aber möglich ist, dass mit dem Zusatz „gaunersprachlich“ nicht nur Rotwelsch, sondern auch andere Formen der Gaunersprache gemeint sind.
Die nicht bei Wolf verzeichneten Lemmate lauten: ’Bambule’, ’kafiller’, ’Knacki’, ’mauern’, ’Ranzen’10 , ’Seher’, ’Teschecherl’ und ’verknacken’.