3.1 Wichtige Werke der Rotwelschforschung

Obwohl das Rotwelsche als Geheimsprache nicht für jedermann verständlich sein sollte, wurden immer wieder Wörterbücher veröffentlich, die vorwiegend aus einem pragmatischen Aspekt heraus entstanden: Sie wollten Schutz vor Gaunern und Betrügern ermöglichen. Insofern dokumentieren sie weniger die tatsächliche sprachliche Entwicklung, als „vielmehr die des kriminologischen und germanistischen Interesses an allen Sparten der Gaunersprache“ (Wolf, 1980, S.77).

Die früheste, schriftlich belegte Erwähnung des Begriffs ’rotwalsch’ findet sich in einem Passional von 1250, doch erst ungefähr 200 Jahre später erscheinen mit der Wiener Bettlerordnung von 1443 und der „Basler Betrügnisse“, auch unter dem Namen „Baseler Rathsmandat wider die Gilen und Lamen“ bekannt, wichtige Grundlagentexte, die umfangreiches rotwelsches Wortmaterial liefern. Auf Grundlage der Basler Betrügnisse entsteht das vermutlich einflußreichste Wörterbuch des Rotwelchen, der „Liber vagatorum“. In zahlreichen Nachdrucken liefert es neben einer Betttlertypologie auch eine Wortliste mit über 200 Einträgen. Erst lange Zeit später erfolgte eine systematische Auseinandersetzung mit dem Rotwelschen. Hoffmann von Fallersleben veröffentlichte 1829 eine erste sprachwissenschaftliche Abhandlung über den deutschen Argot, in welcher er sich vor allem auf die Suche nach den Wortwurzeln begab (Wolf, 1956). Avé-Lallemant verfasst von 1858–62 vier Bände über „Das deutsche Gaunerthum“, in denen er bereits wesentliche sprachwissenschaftliche Erkenntnisse herausarbeitet. 1901 erscheint die Quellensammlung Kluges, worin dieser nahezu alle Quellen des Rotwelschen auflistet. Das Wörterbuch des Rotwelschen von Siegmund A. Wolf aus dem Jahre 1956 stellt den Höhepunkt der Rotwelschforschung dar. Hierin werden 6436 Lemmata verzeichnet, die alle jemals verwendeten Ausdrücke des Rotwelschen beinhalten (Jütte, 1987). Eine der wenigen Primärquellen sind die Aufzeichnungen eines gewissen Schuhmachergesellen Baumhauer, der seine „Stromergespräche“ in einem Gefängnis um 1840 aufgezeichnet hat. Etwa 800 Rotwelsch-Wörter sind in seinen Aufzeichnungen zu finden, die somit eine bedeutende Quelle darstellen. Veröffentlicht wurden die „Stromergespräche“ aber erst im Jahre 1970, weshalb sie selbst für Wolfs Wörterbuch des Rotwelschen zu spät kamen.

Zwar kein Standardwerk in Hinblick auf die Argotforschung, jedoch für jeden Linguisten, bildet das deutsche Universalwörterbuch des Duden-Verlags.