Als eine der geheimnisvollsten Gruppierungen des ausgehenden Mittelalters erschienen die Zigeuner erst zu Beginn des 15. Jahrhunderts in Deutschland (Avé-Lallemant, 1858–62, S.38). Ihre Sprache, das Romani, gilt als zweite große Spendersprache des Rotwelschen, wobei der Anteil am Gesamtwortschatz deutlich unter 5% liegen dürfte, abhängig von sozialen und familiären Kontakten (Honnen, 2000, S.20). Während der überwiegende Teil der rotwelschen Dialekte nur wenig Bezug zum Romani erkennen lässt, gibt es wie im Manischen in Gießen einige Dialekte, für die Romani die deutlich dominierende Spendersprache ist. Nach einer Analyse von Lerch (1976) sind dort 402 von 574 Wortstämmen zigeunersprachlicher Herkunft (Möhn, 1985, S.2011). In vielen Fällen ist eine vermutete Entlehnung aus der Zigeunersprache eher zweifelhaft, wenngleich auch diese in Ermangelung überzeugender Etymologien häufig angenommen wurde (Jütte, 1987, S.142). Ein Beispiel für die Einflüsse des Romani stellt das Wort ’Kohldampf’ dar. Der zweite Teil des Wortes, ’dampf’, ist ein Synonym für ’Hunger’, der erste Bestandteil geht zurück auf ein Romani-Etymon: ’kalov’. Übertragen bedeutet dies ebenso ’Hunger’, wodurch ’Kohldampf’ also wörtlich übersetzt ’Hungerhunger’ hiesse.