Die deutsche Gaunersprache macht aktuelle Forschungen vor allem aus zwei Gründen schwierig. Der erste Grund liegt in der Funktion der Sprache begründet. Das Rotwelsch stellt keine allgemein zugängliche „Umgangssprache“ dar. Als Geheimsprache geht es vorrangig darum, Außenstehenden den Zugang zu verwehren, wodurch das Interesse der Sprecher an einer systematischen Untersuchung ihrer Sprache eher gering sein dürfte. Die mangelnde systematische Auseinandersetzung hat weitreichende Auswirkungen bis in die heutige Zeit. So ist es bei vielen Worten schwierig bis unmöglich, ihre genaue Herkunft zu bestimmen. Bisweilen finden sich abenteuerliche etymologische Geschichten, die zwar halfen, den romantischen Beigeschmack des Rotwelschen zu prägen, aber andererseits wenig Aussagekraft haben, inwieweit welche Sprachen an der Entstehung der deutschen Gaunersprache nun wirklich beteiligt waren.
Ebenfalls schwerwiegend ist die soziale Konnotation des Rotwelschen, wenn es um aktuelle
Forschungsvorhaben geht. Die noch vorhandenen Sprecher versuchen sich von den Gründen für
die Entstehung der Gaunersprache weitgehend zu distanzieren, da sie fürchten, als soziale
Unterschicht angesehen zu werden. Jedoch gilt es zu bedenken, dass dies möglicherweise nur
für die bekannten und ortsansässigen Sprecher gilt. Der zweite Grund für die Schwierigkeiten
der Argotforschung in Deutschland ist quantitativer Natur. Es gibt nur noch sehr
wenige Sprecher des Rotwelschen und seiner ortsgebundenen Mundarten. Diese zu
identifizieren ist ebenso problematisch, wie sie zur Zusammenarbeit zu bewegen. Geht man
davon aus, dass der Gebrauch einer bestimmten Sprache Realität schafft, so ist die
Ablehnung des sozial schwachen Sprachcodes durch die letzten Sprecher durchaus
nachvollziehbar.
Auch wenn das Rotwelsch in seiner jetzigen Form nur in Gestalt einiger in den Wortschatz der
Alltags- und Umgangssprache übernommener Worte fortbestehen wird, kann man nicht davon
ausgehen, dass die deutsche Gaunersprache in den nächsten Jahren mit den letzten
Sprechern aussterben wird. Es bleibt fraglich, ob nicht trotz aller Voraussagen eine
oder mehrere andere, modernere Varianten der Gaunersprache weiter existieren
werden.
Als Geheimsprache lebt die deutsche Gaunersprache von Geheimhaltung und Unverständlichkeit. Aus eben diesem Grund wäre es denkbar, dass das heutige „Gaunertum“ seine eigene Sprache entwickelt hat und pflegt, ohne dass dies bisher von Forscherseite aufgedeckt worden wäre. Sicher lässt sich nur sagen, dass das Rotwelsche und seine Ortsmundarten in ihrer heute bekannten Form in wenigen Jahren nicht mehr aktiv benutzt werden werden.