1 Einleitung

Sprache dient seit jeher der Informationsübermittlung. Es gibt jedoch auch Situationen, in denen zwar Informationen übermittelt werden sollen, aber nur bestimmte Empfänger sie korrekt entschlüsseln dürfen. Solche gewollten Sprachbarrieren tauchen im Laufe der Entwicklungsgeschichte des Deutschen in Gestalt unterschiedlicher Geheimsprachen immer wieder auf. Die berühmteste, bewusst zur Ausgrenzung Anderer entwickelte Sprache ist zweifellos das Rotwelsch, welches auch als die deutsche Gaunersprache bezeichnet wird.

Obwohl das Rotwelsch bereits seit mehreren Jahrhunderten existiert, so hat es sich doch – wie alle lebenden Sprachen – immer wieder verändert und veränderten Lebensgewohnheiten angepasst. Im Folgenden geht es um die Frage, welchen Status das Rotwelsche heutzutage inne hat. Im 21. Jahrhundert hat es seine ursprüngliche Bedeutung zwar weitgehend verloren, ist aber immer noch zugegen. Das deutsche Universalwörterbuch (oder auch umgangssprachlich: der Duden) weist immerhin 77 Einträge als gaunersprachlich aus. Zunächst bedarf es einer Klärung, was unter dem Begriff ’gaunersprachlich’ verstanden werden kann. Hierzu müssen sowohl Bezeichnung als auch Sprechergemeinschaft näher betrachtet werden.

Aufgrund der erschwerten Zugänglichkeit einer gezielt auf Ausgrenzung angelegten Sprache, bietet es sich an, einen Vergleich zwischen damaligen und heutigen Wörterbüchern anzustrengen, wodurch sich gewisse Entwicklungstendenzen erkennen lassen. Eine direkte Gegenüberstellung eines der ältesten Wörterbücher des Rotwelschen, des Liber vagatorum, sowie des Universalwörterbuchs ermöglicht Rückschlüsse auf Einflüsse und Entwicklungsgeschichte der deutschen Gaunersprache. Exemplarisch werden einige Ausdrücke aufgegriffen und auf ihre jeweiligen Ursprünge zurückgeführt, um so ein möglichst umfassendes Bild des Rotwelschen zeigen zu können.