Prüfungsvorbereitungen.

Alles zu meinen Magisterprüfungen im Jahre 2004 an der RUB.

rotwelsch

Rotwelsch - Seminararbeit.


RW-OffeneAufgaben

RW-Seminararbeit


Fertige Seminararbeit:

http://linguistik.yauh.de/rotwelsch/index.html (HTML-Version)

http://www.yauh.de/files/hausarbeiten/rotwelsch.pdf (PDF-Version der Arbeit)


Erstmal ganz wichtig:

Definition 1: (nach Bußmann:02)

Rotwelsch: [Rot >Bettler< (gaunersprachlich), welsch urspr. >romanisch<, dann >unverständliche Sprache<. - Auch: Jenisch].

(1) R. im engeren Sinne: Im 13. Jh. entstandene Gauner- und Bettlersprache, deren Wortschatz zum Teil auf Sonderbedeutungen bekannter Worte, vor allem aber auf umgedeuteten Anleihen aus dem Hebräischen und aus Zigeunersprachen basiert, vgl. Kluge/Mitzka [1901]. Der geheimsprachliche Wortschatz ist besonders reich im Gebiet des Geldes (vgl. Torf, Kies und Moos als hebräische Anleihen, Zaster aus der Zigeunersprache, außerdem Blech, Pulver, Zimt, Schotter, Linsen), der Polizei (Mischpoke, Schmiere aus dem hebr., außerdem Polypen, Polente) und des Gefängnisses (Kittchen und Knast aus dem Hebräischen).

(2) R. im weiteren Sinne: Allgemeine Bezeichnung für Geheim-, Gauner und Berufssprachen(Wolf [1985]) analog der Verwendung von (frz.) Argot. Zu den zahlreichen Wörterbüchern vgl. Zaunmüller [1958], Radtke [1990].

Definition 2: (nach Glück:93, in Auszügen)

Rotwelsch: (zigeun. (Romani) rot >falsch, betrügerisch<, dt. welsch >unverständlich<; Kauderwelsch. Auch: Argot, Gaunersprache, Jenisch, Kundensprache, Kochemer loschn < jidd. chochem >klug<, losn >Sprache<. Engl. cant, pedlars' french, frz. argot)

Sammelbez. für Sondersprachen von Teilen der untersten Sozialschichten in der Funktion von Geheimsprachen, die Kommunikation ermöglichten, welche für Außenstehende (z.B. Polizisten) unverständl. blieb, "Klassensprachen des 5. Standes" (S. A. Wolf).

R. war eine gemeineurop. Erscheinung [...]

Die sprachliche Basis des R. ist das Dt., die Abweichungen basieren im wesentlichen auf lexikalischen Differenzen. Verbreitete Verfahren sind neue Bedeutungszuweisungen (z.B. Religion >Beruf<), wortfeldinterne Neuprägung (z.B. Flätterling >Vogel<, Flossert >Wasser, Regen, Brunnen<, schallern >singen<) und Lexikalisierung von Metaphern (z.B. Kuttengeier >Geistlicher<, im grünen Jäger >draußen<), v. a. mittels Ableitung und Komposition. Dazu treten v. a. aus dem Jidd., Zigeun., Frz. und anderen Sprachen übernommene und morphologisch adaptierte Wörter [es folgen zahlreiche weitere Beispiele...]


THESE: RW war früher Sondersprache, im 19. und 20. Jh. lediglich Teil der Ortsmundart (Unterschiede klären!) und geht nunmehr in der Alltagssprache auf, allerdings nur in Teilen.


RW-Wortliste für den RW-Fragebogen

Sekundärliteratur Rotwelsch

RW-Literaturliste

Mögliches Thema:

- Das Rotwelsch im 21. Jahrhundert - Sprachbarriere oder Umgangssprache?

- Rotwelsch - Ausgestorben oder aufgegangen in der Umgangssprache?

- Gab es so etwas wie eine überregionale Gaunersprache, oder ist Rotwelsch nicht mehr als ein Sammel- oder Oberbegriff für eine Vielzahl von Variationen? Was ist Rotwelsch?

- Wer verwendet heutzutage noch rotwelsche Ausdrücke? In welchem Kontext/Domänen?

- Der Weg des Rotwelschen in die Alltagssprache



Ergo: Ich könnte ja etwas schreiben über das Rotwelsche im 21. Jahrhundert; zum Stand der Forschung, den Weg des RW in die Umgangssprache, die Änderung der Sprecherstruktur

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Rotwelsch dient einerseits der Geheimhaltung, andererseits aber auch dem Zusammenhalt einer sozialen Gruppe. Im Laufe der Jahre wurden rotwelsche Lemmata in den allgemeinen Sprachschatz aufgenommen, was zumindest die Geheimhaltungsfunktion stark beeinträchtigt hat. Der Duden nennt heute noch bei 77 Einträgen gaunersprachliche ( = rotwelsche) Einflüsse. Aber auch zahlreiche Wörter aus den historischen Quellen des rotwelschen sind im Universalwörterbuch des Duden Verlags verzeichnet, zumeist jedoch ohne den Vermerk "gaunersprachlich".


Was bedeutet das nun für das Rotwelsche? 

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Obgleich viele rotwelsche Lemmata den Weg in den heutigen Duden gefunden haben, so ist doch fraglich inwieweit diese Bestandteil der Alltagssprache geworden sind, gibt es doch auch zahlreiche Einträge im Universalwörterbuch, die vielen Sprechern der deutschen Sprache gänzlich unbekannt sind. Weiterhin stellt sich die Frage, ob durch alle Altersklassen und Gesellschaftsschichten noch rotwelsche Einflüsse zu erkennen sind, oder ob diese, ganz wie die ursprüngliche Sprechergemeinschaft, aussterben.


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Erster Ansatz:

Das Rotwelsche als solches ist ursprünglich eine Sprache, die sozialen Zusammenhalt, wie auch Ausgrenzung nicht-eingeweihter Aussenstehender gewährleisten sollte. Damit stellt sie eine künstlich geschaffene Sprachbarriere dar. Die genauen Gründe spielen zunächst keine Rolle. Im Verlauf der Jahrhunderte gab es unterschiedliche Versuche, den Wortschatz des Rotwelschen aufzuzeichnen. Durch Wolf wurde im Jahre 1956 das letzte Wörterbuch dieser Art veröffentlicht. Hierin enthalten sind alle bekannten Rotwelschen Worte, wenngleich auch kein Sprecher des RW diese jemals alle gekannt, geschweigedenn aktiv benutzt haben wird. Die Frage lautet nun, inwiefern das Rotwelsche heute noch eine Geheimhaltungsfunktion erfüllen könnte, oder ob es in den Sprachschatz der Normalbevölkerung übergegangen ist.


Dabei werden sowohl Worte aus dem Duden, wie auch dort nicht verzeichnete Begriffe in Form eines Fragebogens einigen Testpersonen vorgelegt. Diese Versuchsgruppe ist in keiner Weise repräsentativ, sie kann lediglich dazu dienen, Hypothesen aufzustellen, die im günstigsten Fall mit der tatsächlichen Situation übereinstimmen können.



Schlussfolgerung:

Zumindest für den Großteil der Bevölkerung lässt sich sagen, dass viele rotwelsche Begriffe in weitgehend identischer, wenn auch zumeist entschärfter Bedeutung enthalten sind. Von einem Fortbestand des Rotwelschen zu reden wäre allerdings zu weit hergeholt, da die ursprünglichen Funktionen der Sprache nicht mehr gegeben sind. Vielmehr wurden Teile des Wortschatzes in die Umgangssprache aufgenommen, und leben dort nun weiter.

Letztes Update: 19.08.04